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Seiner Zeit voraus Roman Kuhn, dem es an kreativen Einfällen nie zu mangeln scheint, hat seither eine Vielzahl Projekte angeschoben, tausendundeine neue Geschichte erzählt. Und doch wird er immer wieder mit den Clips des Textilriesen in Verbindung gebracht. Stören tut ihn das nicht wirklich. Auch wenn sein Stil zigmal kopiert wurde und der Werbemarkt inzwischen die tollsten Kapriolen geschlagen hat: Die bildsprachliche Spannkraft der nahezu produktfreien Werbeclips bleibt auch eineinhalb Jahrzehnte nach ihrer Erstausstrahlung im deutschen TV und Kino ungebrochen. Fantastische Ritte zwischen Traum und wirklicher Welt sind da zu sehen. Widersprüchliche Bilder, die in ihren opulenten, geradezu romantischen Farben wie gemalt wirken und nicht einmal Angst vor Pathos haben. Zugleich aber sind sie in einer atemberaubenden Geschwindigkeit geschnitten: 150 Takes pro Minute der visuelle Vorspann zum aufbrausenden Techno-Zeitalter. Doch statt den hochfrequenten Bilderpuls mit Club-Sounds zu unterlegen, entscheiden sich die Macher für eindringliche handgemachte Musik und katapultieren bis dato wenig bekannte Musiker wie die Bananafishbones oder Marla Glen in die Charts. /// Als wir das erste Mal mit Roman Kuhn sprechen, ist Berlinale. Hauptkampfzeit für einen, der neben Werbeclips und TV-Filmen auch Kinofilme produziert. Doch Kuhn, der gerade von einem Treffen mit dem deutschstämmigen Hollywood-Regisseur Robert Schwentke kommt, mit dem er den Kino-Thriller »Tattoo« produziert hat, wirkt entspannt. »Die Berlinale ist vor allem eine große Party, und das ist auch gut so, denn hier trifft man die Leute, die man mangels Zeit sonst nicht zu Gesicht bekommt. Wer arbeiten will, muss sich konkret verabreden«, sagt Kuhn, der gerade sein nächstes großes Ding vorbereitet: eine neue filmbasierte Werbeform, die ihre Adressaten via Web zielgruppengenau anspricht und den Filmemachern zugleich so viel kreativen Freiraum bietet wie nie zuvor. »Advertiser driven Entertainment« nennt Kuhn das Prinzip: Die Werbetreibenden werden über neue, direkt in den Film eingewobene Weblinks ins Boot geholt und lassen dafür den Regisseuren und Drehbuchautoren zu 100 Prozent freie Hand bei Inhalt und Konzeption. Kreative Freiheit, von der alle profitieren.
Mix aus Technik und Kreativität Die meisten Menschen sind entweder technisch begabt oder kreativ. Roman Kuhn ist beides und damit den entscheidenden Schritt voraus. Denn wer die jeweils neuesten technischen Werkzeuge virtuos beherrscht, wer technische Innovationen spielerisch-experimentell zu nutzen versteht, der ist in der Lage, das Unerhörte und Ungesehene weitaus leichtfüßiger zu entwickeln. Ein ebenso potenter Kraftstoff für kreative Höhenflüge ist das grenzüberschreitende Arbeiten: Schöpferische Produktivität gedeiht bestens im Niemandsland zwischen der einen und der anderen Disziplin. /// Der gebürtige Schwabe startet Anfang der 80er als Grafiker und Art Director in verschiedenen Werbeagenturen, geht wenig später in Stuttgart mit der, wie er es formuliert, »ersten 3-D-Bude Deutschlands« an den Start, ist kurzzeitig Geschäftsführer der Arri TV Produktionsservice GmbH und Dozent für synthetische Filmgestaltung an der Folkwangschule Essen, ehe er in die USA geht, um seine Fähigkeiten in Sachen computergenerierte Bilder und Animationen zu vertiefen.
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Die Kollektion des Modelabels Sai-So fasste Roman Kuhn mit einer mystisch-romantischen Foto-Stilistik ein. |



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