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Gabriela Staebler ist eine international renommierte Wildlife-Fotografin. In colorshots erzählt sie von ihrem »Arbeitsplatz« in der ostafrikanischen Serengeti.
BEING IN THE BUSH
WAS TO BE WITH ANIMALS,
ONE OF THEM
Doris Lessing »African Laughter«
»Gegen 5.00 Uhr morgens brüllt ein Löwe – ganz nah bei meinem Zelt. So laut, dass ich wach werde. Ich blicke durch die Gaze-Fenster in die Dunkelheit, sehe nur die Silhouetten der Akazienwipfel vor einem funkelnden Sternenhimmel. Irgendwo heulen Hyänen. Dann ist es vollkommen still. Es ist ein prickelndes Gefühl, in einem Zelt mitten in der Wildnis zu schlafen. Gut, dass die Toilette ans Zelt angeschlossen ist und ich nicht nach draußen muss, denke ich, als das Löwengebrüll wieder einsetzt.«
So beginnt das Tagebuch von Gabriela Staeblers letztem Serengeti-Aufenthalt im März dieses Jahres, geschrieben während eines Fotoworkshops.
Her mit dem »wilden Leben«
Momente wie dieser, den die meisten Menschen lieber vom heimischen Sofa aus am Bildschirm verfolgen: Für die Wildlife-Fotografin aus dem Allgäu sind sie das Höchste der Gefühle. Und Antriebsfeder genug, auch nach 17 Jahren Fotokarriere so oft es geht die Koffer zu packen und auf Fotosafari zu gehen. Die Beute dieser Reisen in die Reservate Kenias, Tansanias, Botswanas und Südafrikas sind außergewöhnliche Bilder, leise und atemberaubend, kontemplativ und aufklärerisch. Bilder, die berühren, die Schönheit und Verletzlichkeit der Tiere und ihres Lebensraumes deutlich machen. Wenn man so will: Fotografie als Mittel des Naturschutzes. Ihr persönlicher Gewinn dabei, so Gabriela Staebler, ist die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz in die Wildnis zu verlegen und sich, wie sie es formuliert, »in einer völlig unmanipulierten Welt zu bewegen und als Teil des Ganzen zu fühlen«.
Wildlife-Fotografie: Tipps von Gabriela Staebler zu Equipment und Aufnahmetechnik

AUSRÜSTUNG

Setzen Sie eine möglichst schnelle Kamera und langbrennweitige, lichtstarke Objektive mit Bildstabilisator ein. Ich arbeite überwiegend mit der CANON EOS-1Ds und der CANON EOS-1D Mark II, teilweise auch noch mit der CANON EOS 3. Wobei ich, um schnell reagieren zu können, an jedem Body ein CANON EF-Objektiv habe: an der EOS-1D Mark II meist das EF 600 mm 1:4 L IS USM oder, seltener, das EF 300mm 1:2,8 L IS USM mit einem 2fach- oder 1,4fach-Extender; an der CANON EOS-1Ds ein EF 70–200 mm 1:2,8 L IS USM oder ein Weitwinkel. Darüber hinaus sind ein Fernglas, ein Stativ für die Dachluke sowie ein Fensterstativ unabdingbar.

Beschäftigen Sie sich vor der Reise intensiv mit ihrem Equipment: Wenn’s drauf ankommt, muss jeder Griff sitzen.

interview mit Gabriela Staebler über die Besonderheiten der Tierfotografie, die Geduld als wichtige Voraussetzung für gelungene Bilder und den »Jagdtrieb« der Wildlife-Fotografen:

WIE SIND SIE ZUR WILDLIFE-FOTOGRAFIE GEKOMMEN?
Ich bin schon früher viel durch Afrika gereist und habe fotografiert. Als ich dann vor 17 Jahren den englischen Zoologen und Naturfotografen Jonathan Scott kennen lernte, der mir viel über die wilden Tiere, professionelle Tierfotografie und das Leben im Busch beibrachte und mich ermutigte, mein Hobby zum Beruf zu machen, stand meine Entscheidung fest.
WORIN UNTERSCHEIDET SICH DIE WILDTIERFOTOGRAFIE VON ANDEREN FOTOGRAFISCHEN DISZIPLINEN?
Anders als Mode- oder Studiofotografen, die sich ihre Aufnahmesituation selber erschaffen können, muss ich mich hinsichtlich Beleuchtung, Geschehen und Gelände vollständig den motivischen Gegebenheiten anpassen: Meine »Models« tun, was sie wollen, und die Sonne ist eine launische Beleuchtungsquelle. Hinzu kommt, dass man ständig einsatzbereit sein muss, weil jederzeit etwas völlig Unerwartetes passieren kann. Am ehesten lässt sich das vielleicht noch mit der Sportfotografie vergleichen – allerdings gibt es in der Wildnis für das besondere Bild nur eine einzige Chance.
MUSS MAN ALS TIERFOTOGRAF/IN EIN BISSCHEN VERRÜCKT SEIN?
Vielleicht. Auf jeden Fall sollte man eine schier endlose Ausdauer und Geduld haben. Und nicht zuletzt gut mit sich selbst und dem Alleinsein klarkommen – menschliche Ansprechpartner fehlen in der Savanne zumeist völlig.
WIE SIND DIE VERDIENSTMÖGLICHKEITEN?
Inzwischen kann ich von meiner Arbeit gut leben, da sich die Einnahmequellen neben dem Verkauf der Bilder, die größtenteils über Bildagenturen vermarktet werden, auch auf meine Bücher, Kalender, Ausstellungen sowie Vorträge und Workshops erstrecken und die Kosten wegen eines entsprechenden Netzwerks einigermaßen überschaubar bleiben. Dennoch: Einen Wildlife-Fotografen, der mit seiner Arbeit reich geworden ist, habe ich noch nicht getroffen. Allerdings auch keinen, bei dem dieses Ziel im Vordergrund stand.

Nichts lässt sich erzwingen – alles erwarten
Wer meint, da esoterische Anflüge herauszuhören, liegt falsch: Gabriela Staebler, ist eine international anerkannte Wildlife-Fotografin und europaweit wahrscheinlich die einzige Frau, die von dieser Arbeit leben kann. Sie weiß um die Strapazen und Schattenseiten ihres Jobs: Staub, hygienisch zweifelhafte Verhältnisse, die Gefahr von Überfällen und Tropenkrankheiten, unablässig stechende Tsetsefliegen, gegen die kein Mückenmittel gewachsen ist, extreme Temperaturschwankungen und die Notwendigkeit, als erklärte Langschläferin sehr früh aufzustehen, stehen auf der Negativliste ganz oben. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der psychische Stress: Die Erkenntnis, wieder mal am »falschen« Ort oder zu spät zu sein, eine unwiederbringliche Gelegenheit verpasst oder einen technischen Fehler gemacht zu haben. »Man braucht jede Menge Geduld und eine gehörige Portion Frustfestigkeit«, sagt Staebler. Und meint damit die tagelang andauernden, das Fotografieren unmöglich machenden tropischen Regengüsse, die eiskalten Finger, mit denen der Auslöser frühmorgens betätigt werden muss, das Wegblicken der Raubkatze im Moment des Auslösens oder die Wolke, die sich im Augenblick eines »Top-Shots« vor die Sonne schiebt. »Tierfotografie besteht zu 90 Prozent aus Beobachten und Warten – nichts lässt sich erzwingen, aber alles erwarten«, bringt es die überzeugte Canon-Fotografin auf den Punkt.

ACHTUNG, LÖWEN: ÜBER DAS VERHALTEN IN FREIER WILDBAHN

Passen Sie Ihr Verhalten den Regeln der Natur an: Haben Sie stets Respekt vor wilden Tieren und beachten Sie den natürlichen Fluchtabstand.
Versuchen Sie niemals Reaktionen zu provozieren – das bringt auf Dauer das natürliche Verhalten der Tiere durcheinander und Sie um die Gelegenheit, dieses zu dokumentieren.
Seien Sie mit Ihrer Kamera ständig bereit: Auch wenn alles völlig ruhig aussieht – im nächsten Augenblick könnte das Zebra, das den Fluss überquert, von einem auftauchenden Krokodil angegriffen werden.

WAS MACHT EINEN GUTEN WILDLIFE-FOTOGRAFEN AUS?
Neben einer tiefen Liebe zur Natur sind Kreativität, richtiges Vorausdenken und schnelle Reaktionsfähigkeit wichtig. Ein guter Wildlife-Fotograf benötigt meines Erachtens kein Bildbearbeitungsprogramm, um seine Unfähigkeit oder seine Fehler auszumerzen, denn er wird auch so sein Top-Bild bekommen. Voraussetzung ist, dass er innerhalb kürzester Zeit – und das sind manchmal nur Bruchteile von Sekunden – vom besten Standpunkt aus mit dem passenden Objektiv den optimalen Bildausschnitt samt Hintergrund wählen und gleichzeitig die Schärfe und Belichtungszeit überprüfen kann, ehe er zum richtigen Zeitpunkt auslöst.
WIE NAH KOMMT MAN AN DIE TIERE HERAN?
Es ist immer von Vorteil, weit wegbleiben zu können, damit sich die Tiere völlig ungestört fühlen und natürlich verhalten. In Afrika arbeite ich zu 90 Prozent mit dem 600er plus 2fach-Konverter. Bei Löwen oder Geparden, die an Fahrzeuge gewöhnt sind, genügt manchmal auch das 80-mm-Objektiv.
WAS WAR DAS BISHER GEFÄHRLICHSTE ERLEBNIS FÜR SIE MIT TIEREN?
Ein nächtlicher Elefantenangriff in Botswana: Ein Geräusch weckte mich, und als ich aus dem Fenster blickte, sah ich einen Bullen auf mein Igluzelt zurennen. Drei Mal startete das Tier die Attacke, bremste aber jedes Mal einen Meter vor dem Ziel – zum Glück: Eine Flucht war unmöglich. Erst später habe
ich dieses völlig untypische Verhalten verstanden: Der Elefant hatte am Zelt wohl einen Löwen gewittert, weil Löwen das Zelt Tage zuvor mit ihrem Urin markiert hatten.
FÜHLEN SICH WILDLIFE-FOTOGRAFEN IN GEWISSER WEISE AUCH ALS JÄGER?
Absolut – der Urtrieb des Jagens und Sammelns ist – unterschiedlich stark – in jedem Menschen vorhanden – die »Beute-Bilder« der Wildlife-Fotografen sind ein klarer Beweis.

Den Augenblick vorausahnen
Für Gabriela Staebler überwiegen die positiven Erlebnisse bei weitem: »Es ist unglaublich schön dort draußen. Auch nach all den Jahren entdecke ich fast täglich etwas Neues – die Natur überrascht mich immer wieder.« Ohne zoologische Kenntnisse geht gar nichts in der Wildtierfotografie. Einerseits sind sie wichtig, um abschätzen zu können, wann man sich in Gefahr begibt – im Kollegenkreis Staeblers gab es schon tödliche Unfälle. Andererseits hilft das Wissen, um die Tiere zu »verstehen«. Das hilft bei der Fotografie, erläutert Gabriela Staebler an einem Beispiel: »Wenn ich nicht weiß, dass der geduckte Gepardenrücken einen Angriff ankündigt und nicht zumindest ahne, welche Gazelle er angreifen wird, habe ich kaum eine Chance auf ein gelungenes Bild. Denn in diesem Augenblick muss ich mich schon in der richtigen Position befinden, um die Jagd mit dem Objektiv verfolgen zu können«, erklärt Staebler. Glück spiele kaum eine Rolle – gute Shots seien fast immer das Ergebnis einer guten Vorbereitung. »Aber«, so die leidenschaftliche Wildlife-Fotografin, »der Erfolg meiner Bilder ist sicherlich nicht zuletzt meiner emotionalen Beziehung zur Wildnis und ihren Bewohnern zuzuschreiben.«

TIERFOTOGRAFIE: NICHT NUR EINE FRAGE DER TECHNIK

Beschäftigen Sie sich mit den Tieren, die Sie fotografieren wollen: Ohne ein Minimum an zoologischem Wissen ist es fast unmöglich, einen Top-Shot hinzubekommen. Selbst im Zoo kann man das Beobachten üben – auch wenn sich Tiere in Gefangenschaft anders verhalten als in Freiheit.
Seien Sie auf Wartezeiten und Fehlschläge vorbereitet, und bringen Sie Zeit mit: Geduld, Ausdauer und ein gewisser Grad an Frusttoleranz sind unabdingbar, denn oft passiert auch schlicht und ergreifend nichts. Für die Aufnahme der Löwen, die hintereinander gehen, habe ich Jahre gebraucht.
Lassen Sie sich vor der Reise ärztlich durchchecken: Gesundheit und eine robuste Kondition sind auf Fotosafaris vonnöten.

Wildlife-Workshop 2005: Mit Gabriela Staebler, COLOR FOTO und Canon auf Fotosafari
Wenn Sie die Begeisterung von Gabriela Staebler für Fotografie, die Natur und die Tiere Afrikas teilen, kommen Sie ganz einfach mit: Vom 15. Februar bis 2. März 2005 veranstaltet die Buchautorin und mehrfach ausgezeichnete Wildlife-Fotografin in Zusammenarbeit mit CANON und der Zeitschrift COLOR FOTO eine Fotoworkshop-Reise nach Tansania – zu den besten Orten für Wildlife-Fotografie in Ostafrika. Während der Reise stehen digitale und analoge CANON EOS-Spiegelreflexkameras, lichtstarke Telebrennweiten mit Bildstabilisator (u.a. EF 400 mm 1:4 DO IS USM, EF 500mm 1:4 L IS USM), Konverter 1,4x/2x und exotische Brennweiten (EF 28–300 mm 1: 3,5–5,6 L IS USM, EF 14 mm 1:2,8 L USM) und TS-E-Objektive zum Testen zur Verfügung. Die Reise wird in einer überschaubaren Gruppe (maximale Teilnehmerzahl: 12 Teilnehmer) unter Leitung von Gabriela Staebler und in Begleitung eines CANON-Produktexperten und eines Vertreters von COLOR FOTO durchgeführt. Ein Fensterplatz im Geländefahrzeug und genügend Stauraum für die Ausrüstung wird jedem Teilnehmer garantiert. Die Unterkunft erfolgt in Lodges und Zeltcamps von guter bis sehr guter Qualität, die Verpflegung auf Basis einer Vollpension.
Weitere Informationen:
Flycatcher Safaris
Mauerweg 7/Postfach 20
CH - 3283 Kallnach
Telefon: +41 (0)32 392 54 50
Telefax: +41 (0)32 392 54 51
E-Mail: flycat@flycat.com
Internet: www.flycat.com
oder direkt bei Gabriela Staebler:
gabrielastaebler@aol.com

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