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| Fotografen, die Prominente fotografieren, sind nicht selten ebenso eitel wie ihre Motive. Auf Christian Thomas trifft das nicht zu. Mit atypischer Nonchalance gelingt dem Canon ProFASHIONal-Award-Gewinner 2003 Seltenes: Porträts von Stars, die einen Auslösemoment lang in Natürlichkeit verharren. |
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Ein Mann mittleren Alters, auf dessen Kopf wenige graue Stoppelhaare sprießen, schaut sein Gegenüber aus freundlichen grauen Augen an. Der Schärfepunkt liegt auf Augen, Mund und Nase, unter dieser zeichnen sich kleine rote Äderchen ab. Die Aufnahme zeigt Brian Eno, der als Roxy-Music-Keyboarder und Klangtheoretiker Musikgeschichte schrieb und schreibt. Zu sehen war sie in der September-Ausgabe des »Interview-Magazins« Galore. |
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| Ein Mann mittleren Alters, auf dessen Kopf wenige graue Stoppelhaare sprießen, schaut sein Gegenüber aus freundlichen grauen Augen an. Der Schärfepunkt liegt auf Augen, Mund und Nase, unter dieser zeichnen sich kleine rote Äderchen ab. Die Aufnahme zeigt Brian Eno, der als Roxy-Music-Keyboarder und Klangtheoretiker Musikgeschichte schrieb und schreibt. Zu sehen war sie in der September-Ausgabe des »Interview-Magazins« Galore. Sieht so ein Popstar aus? Das fragt man sich unwillkürlich beim Betrachten des ganzseitigen Aufmacherbilds und schon hat einen der Fotograf am Haken: Indem er die Stars und Sternchen aus Musik, Schauspiel und Politik so ungeschminkt und authentisch wie möglich zeigt, schafft Christian Thomas fast beiläufig, wofür andere großen Aufwand in puncto Lichtführung, Konzeption und/oder Requisiten betreiben: Porträts, an denen man nicht vorbeikommt, weil sie überkommene Sehgewohnheiten in Frage stellen. Nur dass dieser visuelle Tabubruch nicht aus einem Verfremden oder Überhöhen der porträtierten Celebrities erwächst, sondern im Gegenteil durch das gezielte Einfangen möglichst ungestellter Momente. Keine Promistarre So wie bei der Electronic-Ikone Moby. Den Tanzflurbeschaller porträtierte Thomas in einem Augenblick der Selbstreflexion. Ganz in sich gekehrt, scheint der Techno-Papst den Fotografen gar nicht zu bemerken: Moby in Trance. Andere Porträts kommen weniger kontemplativ daher, etwa die der Schauspielerin Christiane Paul oder des DJs Premier. Für alle aber gilt: Es ist die bewusste Abkehr vom Überzeichnen und von künstlichen Inszenierungen, die dem Betrachter eine eigentümliche, ungewohnte Nähe zu Zeitgenossen vermittelt, die ansonsten unerreichbar sind. Das zeigt sich in Thomas Porträts von Franka Potente oder Nancy Sinatra ebenso wie in denen von Dennis Hopper, Klaus Wowereit oder Wladimir Klitschko. Selbst Supermodel und »Sexiest Woman« (FHM) Eva Padberg kommt auf seinen Bildern rüber wie »das nette Mädchen von nebenan« und wirkt gerade deswegen noch attraktiver als sonst. »Ehrfurcht oder gar Promistarre«, sagt der Berliner Fotograf, der neben Galore u. a. auch für das Kunstmagazin MONOPOL, für die Bunte, das DEUTSCH Magazin oder für die Männerzeitschrift GQ Porträts schießt, »geht mir ab ganz gleich, wen ich porträtiere.« |
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| Eigeninitiative zahlt sich aus Es muss diese Nonchalance sein, mit der ihm gelungen ist, woran die meisten vor ihm offenbar scheiterten: Thomas entlockte Christian Ströbele, dem grünen Direktmandatsgewinner und Gewissen der Partei, ein Lächeln. Seiner Partei gefiel das freundliche Porträt so gut, dass sie es für ihr Wahlkampfplakat haben wollte. Angenehmer Nebeneffekt für Thomas: Das Bild, zunächst von Galore genutzt, war auch den Grünen ein Honorar wert. Wie bei ihm überhaupt fotografisches Interesse und Geldverdienen oft geradezu beiläufig zusammenkommen. 2003 ging der Berliner Fotograf nach Mailand, fotografierte freie Arbeiten im Modebereich, die er erst anschließend verkaufte. Im letzten Jahr flog er für einige Monate nach Las Vegas und Los Angeles, um Schauspieler zu porträtieren. Dort traf er auf Uschi Obermeier und machte eine Serie, »weil sie mich interessierte«. Die Bilder wiederum interessierten das ambitionierte »Magazin für Kunst und Leben«, MONOPOL, das die Aufnahmen für ein Porträt der Ex-Kommunardin nutzte. Doch obwohl er überwiegend die Schönen und Reichen ablichtet, eine Zeit lang mit der amerikanischen Rock-Fotografin Annie Leibovitz zusammenarbeitete und auch sonst viel unterwegs ist, kann er mit dem typischen 80er-Jahre-Klischee des jettenden Star-Fotografen, der auf jeder Celebrity-Party zu Hause ist, wenig anfangen. Thomas: »So banal es klingen mag: Mich interessiert der Mensch vor meinem Objektiv, nicht seine öffentliche Fassade.« Seinen Bildern tut Thomas inszenatorische Zurückhaltung (siehe Interview) sichtlich gut. Dem Berliner gelingt mit seinem unaufgeregten Blick hinter die medialen Kulissen etwas höchst Seltenes: der Spagat zwischen Zeitgeist und Zeitlosigkeit. Technik für den »Antitechniker« Ebenso wenig wie die Fassade eines Menschen interessiert Christian Thomas die nackte Kameratechnik was zählt, ist das Ergebnis. Rückblickend könne er oft nicht einmal genau sagen, wie diese oder jene Aufnahme entstanden ist, gestand er im Gespräch mit colorshots. Nur dass er oft ganz dicht rangeht und mit seinem 90er-TS-E-Objektiv die Schärfe exakt auf einen Punkt legt. Seine Canon EOS-1Ds hält der bekennende Antitechniker dennoch für unverzichtbar: Seit er das 11-Millionen-Pixel-Modell beim Canon ProFASHIONal-Award gewann, hat er es nicht mehr aus der Hand gelegt. »Ich behaupte nicht, dass ich jede Funktion der Kamera kenne«, sagt er. »Was ich aber weiß: Sie tut das, was ich von ihr will, und hat mich in den entscheidenden Augenblicken nie im Stich gelassen. Keine Frage: Die gebe ich nicht mehr her.« |
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INTERVIEW »Genug Raum lassen« Christian Thomas über die Vorzüge des genre-übergreifenden Arbeitens, den Vorteil eines Kameradisplays und die Frage, wie viel man von seinem Gegenüber wissen sollte. Wie bereitest du dich auf eine Porträt-Session vor? Witzigerweise versuche ich, mit einem absoluten Minimum an Vorwissen ins Shooting zu gehen nur dann bin ich weitgehend unvoreingenommen. Vor Ort lasse ich dann alles einfach auf mich zukommen. Das heißt auch, dass ich vorgefertigte Bildideen gegebenenfalls vor Ort spontan wieder verwerfe. Wie schafft man es, einen mediengeschulten Promi aus seiner Fassade zu schälen? Das Geheimnis liegt, glaube ich, darin, ihm auf Augenhöhe zu begegnen und sich ergebnisoffen auf die jeweilige Situation einzulassen. Vorgaben machen, ja. Dann aber ausreichend Raum lassen, damit sich die Leute selbst inszenieren können oder auch nicht. An welchen Locations fotografierst du am liebsten? Ich suche, wenns eben geht, einen neutralen Ort, der aber in irgendeiner Relation zum Porträtierten steht. Studio-Shootings sind überhaupt nicht mein Ding. Wie viel Zeit hast du für eine Porträtserie? Im günstigsten Fall mehrere Stunden, oft genug sind es aber nur wenige Minuten. Mein Trick, um die Leute etwas länger bei der Stange zu halten: Ich zeige ihnen zwischendurch die Ergebnisse auf dem Monitor der Canon EOS-1Ds. Beim Shooting mit Brian Eno zum Beispiel war abstrus wenig Zeit vorhanden doch als er die Bilder auf dem Kameradisplay sah, hat er den nächsten Journalisten, der schon im Türrahmen stand, noch mal vertröstet. Dein Tipp in Sachen Porträt für die colorshots-Leser? Für mich persönlich sind Unvoreingenommenheit und das flexible Reagieren auf die Situation vor Ort wichtiger als ein vorgefertigtes Szenario. Ich arbeite ausnahmslos mit Festbrennweiten und bewege mich lieber. Jemanden aus einem bestimmten, vorab definierten Blickwinkel zu zeigen ist legitim und kann zu tollen Ergebnissen führen mein Weg ist es nicht. ![]() CHRISTIAN THOMAS, Fotograf Geburtsort: Heidelberg, aufgewachsen in Berlin Wohnort: Berlin Ausbildung: Lette Verein Berlin, anschließend Assistenzen in Düsseldorf, München und Berlin Arbeitsschwerpunkte: Porträt-, Fashion- und People-Fotografie Veröffentlichungen in: Galore, Focus, DEUTSCH, MONOPOL, Zeit-Leben Kunden: AmExCo, BKK, Citroèn, Peugeot, Lindt, Vattenfall, Werbeagenturen, z.B. Scholz&Friends, Economia, Ogilvy&Mather Preise: Canon ProFASHIONal-Award 2003, mehrere ADC-Preise Kontakt: www.christian-thomas.com |
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