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Den Traum vom Fliegen hat Achim Mende wie fast jeder Junge geträumt – und wahr gemacht: Wüste, Arktis und Tropen hat er auf seinen Expeditionen aus der Vogelperspektive erkundet und fotografiert. Als begabter Tüftler hat er jetzt einen Weg gefunden, abgehobene Bilder zu machen und dabei selbst auf dem Teppich zu bleiben – oder was auch immer sich gerade unter seinen Füßen befindet.

Wenn Ihnen bei Ihrem Urlaub am Bodensee ein Mann begegnen sollte, der mit Cyberbrille und Fernsteuerung ausgerüstet einen Ballon spazieren führt – rufen Sie bitte nicht gleich die Polizei oder Feuerwehr an. Denn vermutlich handelt es sich um Achim Mende auf einer weiteren Etappe seiner Bodensee-Expedition.
Die Nachtaufnahmen sind die Krönung: Der spektakuläre Blick auf die Bregenzer Seebühne wird erst durch die Langzeitbelichtung möglich. Wie aufregend seine Expeditionen in die Arktis, die Südsee oder die Sahara auch waren: Immer wieder treibt es Achim Mende in die Höhe, um neue Perspektiven aufzudecken.

Fünfzehn Jahre ärgerte sich Achim Mende über die Probleme bei Luftaufnahmen, die er aus Hubschraubern, Flugzeugen und Ultraleicht-Flugzeugen machte. Zu laut, zu unruhig, zu teuer und zu unflexibel – keines der Fluggeräte verschaffte ihm den schwebenden Standpunkt, den er wollte.

Nach zwei Jahren Entwicklung und Tests hat er nun ein »fliegendes Stativ« im Einsatz: An einem Ballon hängend wird die Kamera vom Boden aus gesteuert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Luftfotografie: Getragen von einem großen Ballon kommt die Kamera so nah an das Motiv, dass sich jeder Besucher des Open-Air-Konzerts auf dem Bild wieder findet und der Schlossbesitzer die Schindeln auf seinem Dach zählen kann. Aus solch großer Höhe aufgenommen, dass die ganze Bregenzer Seebühne mit ihren 7.000 Zuschauern ins Bild gesetzt werden kann – und so lautlos, dass kein Zuhörer gestört wird.

Derweil der Ballon mit der Kamera in luftige Höhen schwebt, steht Achim Mende auf dem Boden und steuert: den Ballon halten und lenken, die Plattform drehen und schwenken und zu guter Letzt noch zoomen und die Kamera auslösen. Per Cyberbrille klinkt sich Achim Mende in das Videosignal der Kamera ein, um mit dem Live-Funkbild stets oben mit dabei zu sein. So hat er Zeit für eine bewusste Bildgestaltung.

Lautlos schwebend
Der Ballon schwebt nicht nur lautlos über der Szene – er schwebt dank der besonderen Konstruktion auch besonders stabil und eröffnet so gestalterisch neue Spielräume im Luftraum. Zum Beispiel Langzeitaufnahmen vom Lichtermeer des Seefestivals, bei trübem Himmel und in der frühen Morgenstimmung. Mit der traumhaften Landschaft rund um den Bodensee hat er das denkbar schönste Testmotiv praktisch vor der Haustür. Dort entstanden auch Aufnahmen, z.B. bei Konzerten von Chris de Burgh, von Schloss Salem oder malerischen Segelregatten, aus der Möwenperspektive.

Das Ergebnis sind hochkarätige Aufnahmen aus 10, 60 oder 100 Metern Höhe, faszinierende Nachtaufnahmen von Open-Air-Konzerten wie die Troubadour-Aufführung auf der Seebühne in Bregenz. »Die Zuschauer auf dem Boden fotografieren mit ihren Kameras alle dasselbe Motiv. Meine Bilder sind anders und verkaufen sich deswegen hervorragend«, so der Kameraballonfahrer.
Neue Projekte im Luftraum
Zwei Jahre hat Achim Mende in die Entwicklung, Tests und Verbesserung seines Ballons gesteckt. Treibende Kraft sind seine Leidenschaft für die Astrofotografie und die Flugtechnik, der solide handwerkliche Hintergrund mit Ausbildungen zum Fotografen und zum Elektroniker. Die zündende Idee kommt aus der Erfahrung mit Werbeballons. Und Aufträge der Tourismusindustrie rund um den Bodensee haben seinem Projekt auch den notwendigen kommerziellen Erfolg beschert, um es ständig weiterentwickeln zu können. Im Hinterkopf warten schon neue Ideen auf die Umsetzung: Der Fotograf will die Kamera in den Händen halten, statt sie der Ballonplattform zu überlassen, und selbst im Ballon stehen, um aus wenigen Metern Höhe Wüstenlandschaften und Flussläufe zu fotografieren. Die Expeditionen über dem Bodensee sind
Natur und Kultur rund um den Bodensee fängt Achim Mende mit Hilfe des Kameraballons aus der Vogelperspektive ein. Alles was fliegt: Diese Aufnahme von Achim Mende entstand mit Hilfe eines Teleskops an seiner Canon EOS.

Proben für Projekte, bei denen Achim Mende buchstäblich wieder internationale Luft schnuppern und seinen Ballon über Sand- und Eiswüsten lenken möchte. Ein ganzes »Bündel« von Ballons soll für die »bemannten« Flüge zum Einsatz kommen. Ein Schlitten für die Kameraplattform ist die nächste Ausbaustufe für den Soloballon: »Damit gleitet die Kamera am Seil auf und ab. »Stellen Sie sich nur mal die Kamerafahrten vor, die sich auf diese Weise in Szene setzen lassen, denn eine Videokamera kann ebenso auf die Plattform gesetzt werden wie eine Spiegelreflexkamera!«

Die Liebe zur Landschaft rund um den Bodensee und die Fliegerei bringt ständig neue Ideen ins Spiel und in die Luft: Per GPS richtet Mende das fliegende Stativ so punktgenau aus, dass er die Donau im Wechsel der Jahreszeiten in einem immer neuen Licht zeigen kann, ein Langzeitprojekt, an dessen Ende ein Zeitrafferfilm entsteht.

An Ideen mangelt es Achim Mende nicht. Und was dem Luftbildtüftler als Nächstes einfällt – weiß der Himmel ... //

Im Gespräch:

Canon EOS 300D

Canon EOS 300D

Canon EOS 350D
Canon EOS-1Ds Mark II

Das fliegende Stativ – so funktioniert’s
Ein rotierender Kreisel ist bestrebt, seine Lage im Raum beizubehalten. Man nehme einfach ein ausgebautes Rad aus einem Fahrrad und halte es mit beiden Händen rechts und links an der Achse. Rollt man das Rad auf dem Boden kräftig und hebt es an, braucht man schon Kraft, um es während des Laufs zur Seite zu neigen, und merkt, wie gern das Rad zurück in die eingerollte Lage möchte. Das ist nur eine der Techniken, die der Kamera die ruhige Lage für Langzeitaufnahmen verschaffen. Ohne den optischen Stabilisator und eine ruhige Lage des Ballons wäre auch diese Technik wirkungslos.

Weitere Informationen zu Achim Mende:
www.bodensee.aero


ZUSAMMENSTOSS MIT DER SONNE

colorshots sprach mit Achim Mende über seine Leidenschaft für Fotografie und luftige Höhen – und darüber, wie man abgehobene Bilder macht, ohne dabei anzustoßen.

Wie entstand die Idee zu Ihrer Version der unbemannten Luftbildfotografie?
Schon als Junge hat mich die Astronomie fasziniert und in Richtung Extremfotografie getrieben, und für jegliche Art von Flugtechnik habe ich mich immer schon leidenschaftlich interessiert. Als gelernter Fotograf habe ich auch eine Ausbildung als Elektroniker, ganz wichtig war jedoch die Arbeit in einer Firma, die sich mit der Entwicklung innovativer Luftwerbung beschäftigt. Da sind mir die Möglichkeiten eines Heliumballons so richtig klar geworden, der sich wie ein riesiges Stativ auf 60 oder 100 Meter Höhe bringen lässt, sich einfach wunderbar manövrieren lässt, sodass ich mich durch Menschenmengen genauso wie über Stock und Stein bewegen kann.

Sie steuern die Kamera vom Boden aus und fotografieren dabei gleichzeitig. Wie funktioniert das?
Tatsächlich ist die Kamera auf einer Plattform unter dem Ballon befestigt, und die Plattform wird per Funk geneigt und gedreht. So wird die Kamera wie auf einem Stativ ausgerichtet – ein Stativ mit Fernsteuerung sozusagen. Das Videosignal der Kamera wird per Funk auf eine Cyberbrille geleitet, damit ich Perspektive und Bildausschnitt kontrollieren kann.

Wie behalten Sie die Kontrolle, wenn der Wind Ballon und Kamera durchrüttelt?
Grundsätzlich kommt das Kameraballonsystem nur bei schwachem Wind, also bei Schönwetterbedingungen, zum Einsatz. Selbst dann müssen empfindliche Kreiselsensoren und schnelle Servos ganze Arbeit leisten, um die Plattform permanent auszurichten. Der optische Bildstabilisator des Canon EF-S-Objektivs garantiert die ruhige Lage für Langzeitaufnahmen.

Wie lange haben Sie an dem Projekt getüftelt?
Hinter der Steuerung steckt moderne Modellflugtechnik, die so superleichte und trotzdem erschwingliche Komponenten hervorgebracht hat. Zwei Jahre Entwicklung, Tests und Verbesserungen stecken im Ballon und in der Steuerung. Ohne Digitalkamera wäre das Ganze nicht wirklich praktikabel. Stellen Sie sich mal vor, ich müsste den Ballon nach 36 Aufnahmen immer wieder herunterholen, um einen neuen Film einzulegen. Tatsächlich stellte die Ballonhülle die größte Herausforderung dar. Das Material muss gasdicht und zugleich transparent sein, damit der Ballon keinen Schatten in die Szene wirft. Überhaupt ist der Ballon die große Herausforderung – mit einem Druckmesser von 3 Metern kann ich das Ding ja nicht einfach in ein Köfferchen in den Wagen packen. Das Helium nach den Aufnahmen abzulassen, um den Ballon auf Transportgröße zu schrumpfen, ist wegen der Kosten einfach nicht drin: Schließlich kostet jede Befüllung des Ballons mit Helium rund 500 Euro. Für die meisten Aufnahmen wären die Kosten nicht tragbar. Da kam mir die Idee mit dem Zeppelin, der auf dem Dach des Wagens angebracht ist: Tatsächlich ist der schlanke Zeppelin mein Helium-Zwischenlagertank. Nach den Aufnahmen wird das Helium in den Zeppelin umgefüllt.

Sie benutzen für diese Spezialaufgabe teilweise Canon-Kameras, die eigentlich für Amateure konzipiert sind. Warum?
Die Canon EOS 300D und EOS 350D sind leicht genug und liefern die notwendigen Pixel für die meisten Aufnahmen. Das EF-S 17–85-mm-IS-USM-Objektiv mit seiner Lichtstärke von 1:4,0–5,6 und Bildstabilisator ist übrigens das perfekte Allround-Objektiv: Das liefert einen rasanten Überblick und ausreichend Zoom, denn mit dem Ballon komme ich näher an das Motiv als mit allen anderen »Fliegern«. Die EOS-1Ds Mark II mit ihrer hohen Auflösung kommt dann zum Einsatz, wenn der große Überblick und die Detailaufnahmen von Liegenschaften gefragt sind.

Kontrolle schön und gut, aber stoßen Sie bei Ihren Ballonwanderungen
nicht an?
Den Ballon lenken, die beste Aussicht suchen und gleichzeitig über Stock und Stein querfeldein, das geht nicht ohne Stolpern und kleine Kniefälle. Zusammenstöße gab es bislang aber nur optisch: als ich die »Sonnenfinsternis« mit dem Ballon in Szene gesetzt habe. In der Stadtlandschaft kommt der Ballon bei den Bewohnern gut an – genauso meine »spacige« Aufmachung mit der Cyberbrille und der Steuerung. //

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