Wenn das Studio die Visitenkarte eines Fotografen ist, dann erzählt der Arbeitsort von Adrian Bischoff eine Menge über seinen Nutzer. Rund 100 m2 misst der Raum im ersten Stock einer vormaligen Industriehalle im Frankfurter Gewerbegebiet Fechenheim, und wer sich einmal um die eigene Achse dreht, sieht: einen Tisch mit Rechnern, Flatbildschirmen, Inkjetdruckern und ein Powerbook; die große Hohlkehle in der Raummitte; daneben ein Regal, in dem Stative, Blitzgeneratoren, selbst gebaute Camerae obscurae und diverse Strahler untergebracht sind. Es folgt ein handlicher Alukoffer, in dem sich praktisch die komplette Ausrüstung des Fotografen befindet (siehe Kurzprofil S. 19); daneben, am Boden, zwei Stücke Bahnschienen samt rostiger Schrauben Überbleibsel eines Shootings. Und dann ist da noch dieser Hochtisch, auf dem Dinge stehen, die auch einem Kindergeburtstag gut zu Gesicht stünden: ein Teller mit Butterkeksen, einer mit kunterbunten Schokokugeln und ein weiterer mit Bonbons. Details mit Symbolkraft: Bischoffs Blick auf die Welt ist augenscheinlich ein kindlich-verspielter, und seinen Bildern tut das sichtlich gut. Das Siegerbild, schrieb die Jury anlässlich der Verleihung des Canon ProFashional Photo Award an Bischoff treffend, überzeuge »durch seine visuelle Prägnanz und Dichte sowie die Perfektion der Inszenierung«. Wohl gesprochen, doch was bei aller technischen Raffinesse und allem stilistischen Gewicht bei Bischoffs Bildern ebenso ins Auge sticht: Sie wirken erstaunlich leicht. |
| Das Ökonomische ist der Tod des Schönen: Eleganz, Opulenz, Ästhetik, Verschwendung so lange sie nicht selbst ökonomisch nutzbar sind, gelten sie dem gemeinen Wirtschaftswissenschaftler bestenfalls als Liebhaberei. Adrian Bischoff ist Betriebswirt. Eigentlich hat er damit denkbar schlechte Voraussetzungen, um sich dem Medium mit der Unbeschwertheit zu nähern, die eine inhaltlich-ästhetisch begründete Fotografie jenseits purer Verwertbarkeitsszenarien erst ermöglicht. Doch der 47-Jährige hat sich eine wesentliche Tugend bewahrt, die bei vielen noch während der Adoleszenz verkümmert. »Ich hatte immer schon die Fähigkeit, mich spontan zu begeistern und Nützlichkeitserwägungen bei Bedarf beiseite zu schieben«, sagt er. Am liebsten gehe er empirisch zu Werke. Ideen, auch solche, die auf den ersten Blick völlig verrückt scheinen, setzt er irgendwann einfach um. Die Frage nach Aufwand und Ertrag tritt in den Hintergrund. Wie z. B. vor drei Jahren. »Plötzlich war da diese Idee des perfekten Unterwasserbilds«, erinnert sich Bischoff. Kurzerhand mietet er ein Schwimmbad, baut ein komplettes Unterwasserstudio auf, bucht Models, experimentiert mit verschiedenen Beleuchtungstechniken, arbeitet akribisch, bis das im Kasten ist, was er zuvor im Kopf hatte. Zufällig erfährt er vom renommierten Kamera-Louis-Boutan-Award für Unterwasserfotografie, reicht seine Bilder in letzter Minute ein, kann sich gleich in mehreren Kategorien auf vorderen Rängen platzieren und trägt schließlich den Gesamtsieg davon. »Bei der Preisverleihung kam es fast zum Eklat«, erzählt Bischoff, »ich war der einzige Teilnehmer, der nicht einmal einen Tauchschein hatte.« Mit der perfekten Improvisation zum Ziel das passt zu dem überzeugten Autodidakten, der als Quereinsteiger ohne professionelle Ausbildung oder auch nur Assistenz startete. »Das meiste war Learning-by-doing«, sagt er. »Das Lichtsetzen z. B. habe ich mir vor allem bei meinen Test-Shots für Modelagenturen erarbeitet.« |
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ADRIAN BISCHOFFS SIEGERBILD (OBEN RECHTS), URTEILTE DIE JURY DES CANON PROFASHIONAL PHOTO AWARD 2005, ÜBERZEUGE »DURCH SEINE VISUELLE PRÄGNANZ UND DICHTE SOWIE DIE PERFEKTION DER INSZENIERUNG.« ![]() ![]() ![]() |
Auf und ab: Karriere eines Quereinsteigers Der beste Weg ist der direkte, behauptet die Effizienztheorie. Bischoff verstößt regelmäßig und mit Lust gegen dieses Postulat. Das lässt sich auch an seinem Werdegang ablesen: Mit elf Jahren hat er seine erste Kamera, mit 14 sein eigenes kleines Labor. Obwohl er bereits während der Schulzeit semiprofessionell arbeitet, studiert er zunächst BWL und Japanologie. Gleich nach dem Diplom erhält er ein lukratives Angebot bei einem deutschen PKW-Hersteller in Japan, ist fast schon auf dem Weg, als ihm die Bundeswehr dazwischenfunkt. Bischoff wartet auf den Bescheid, lange, muss improvisieren, besinnt sich seiner Leidenschaft aus Kindertagen, schnappt sich eine Kamera und fotografiert Verkehrsstudien und Bildmaterial für die Kripo, Sachgebiet: kriminalpolizeiliche Vorbeugung. Der Anfang ist gemacht, weitere Aufträge folgen, Bischoff beschließt, die Karriere als Marketingexperte sausen zu lassen und sich voll auf die Fotografie zu konzentrieren |
| Finanziell geht es zunächst treppauf, treppab. Der Fotograf schläft zeitweise sogar in seinem Studio. Dann, eines Tages, ist er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sozusagen auf Zuruf erhält er seinen ersten großen Auftrag: ein Shooting für die Brauerei Henninger. »Ich hatte keine Ahnung von Kalkulation, Model-Booking usw., doch irgendwie habe ich mich da durchgeboxt.« Ein Auftrag folgt dem nächsten: Porsche, Ford und weitere große Werbekunden klopfen an, der finanzielle Durchbruch ist geschafft. 1997 erhält Bischoff einen Großauftrag von Levis und muss von einem auf den anderen Tag auf die digitale Fotografie umsatteln. Es folgen Lifestyle- und People-Aufnahmen für große Unternehmen aus verschiedensten Branchen, u. a. für BMW, das Heiztechnikunternehmen Vaillant, den Kosmetikhersteller Redken, für Peugeot, Neckermann Reisen, die Citibank oder Hewlett Packard. Bischoff, der sich, obwohl von Hause aus Marketingexperte, einen »miserablen Selbstvermarkter« nennt, ist gut im Geschäft. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um das Profil zu schärfen, Imagebroschüren zu drucken, sich weiter zu spezialisieren, die Akquise zu perfektionieren. Doch Bischoff konzentriert sich lieber auf das, was ihn am meisten reizt an der Fotografie: das freie Spiel mit der Kamera. |
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ADRIAN BISCHOFF: »ICH WILL MEIN FOTOGRAFISCHES SPIELZIMMER WEITER VERGRÖSSERN.« |
Wer nicht arbeiten will, muss spielen Über sich hinaus wächst der Vater von vier Kindern nach eigenen Angaben, wenn er vor einer Herausforderung steht. So wie vor zwei Jahren, als da plötzlich diese Wette im Raum stand. Ist es möglich, fragte sich Bischoff, sehr große Objekte in Natur- oder Stadtlandschaften nachts so zu beleuchten, dass man sie vernünftig fotografieren kann? Ausgeschlossen, behauptet ein Kollege und begründet dies theoretisch fundiert. Bischoff hält dagegen und lässt nicht locker, bis der Beweis erbracht ist: Er blitzt verschiedene Großmotive bei Nacht mit 4.000-Watt-Strahlern, bis zu 500-mal, bei offener Blende und erntet nichts als Schwarzschildeffekt. Er besorgt sich einen Waffenschein und feuert Leuchtraketen in den Himmel, um dann festzustellen, dass sie sich nicht präzise genug steuern lassen. Er experimentiert mit so genannten Lightning Strikes, Kunstblitzen von mehreren Millionen Watt Leistung, die normalerweise in Kinoproduktionen eingesetzt werden erfolglos. Schließlich baut Bischoff die vor allem von Großdiskotheken genutzten Sky Beamer für seine Zwecke um. Er reist in die Schweiz, lässt sich mit seinem Team zum Fuß des Matterhorns fliegen und bestrahlt die nackte Felswand des Berggipfels mit zwei Beamern auf einer Fläche von 4.000.000 m2. Er belichtet jede Aufnahme eine Dreiviertelstunde lang und hat schließlich drei verwertbare Bilder in der Tasche. »Irgendwo«, sagt Bischoff, angesprochen auf seine Experimentierfreude, »muss da noch so etwas wie ein Hausmeister-Gen in mir stecken.« Vielfalt statt Beschränkung Inzwischen geht das Beleuchtungsprojekt in seine fünfte Runde. Bischoff hat seine Technik derart perfektioniert, dass er Flächen von bis zu 60 km2 beleuchten kann. Zehn weitere Motive u. a. der Fujiama in Japan, der Mt. Everest, das Monument Valley in den USA oder die Öresund-Brücke zwischen Schweden und Dänemark stehen auf seiner Wunschliste. Die 16 Kilometer lange Brücke will er von Schiffen aus beleuchten. Trotz dieses Aufwands: Bischoff versteht sich keineswegs als »Beleuchtungsfotograf«, ebenso wenig wie er sich Etikette wie People-, Lifestyle-, Unterwasser- oder Nachtfotograf anheften würde (auch wenn seine Bilder zeigen, dass er sich in jedem der genannten Genres bestens behaupten könnte). Aus Marketinggründen raten ihm Freunde immer wieder dazu, sich auf eine Disziplin festzulegen, sein Portfolio schärfer zu umreißen, doch Bischoff mag sich nicht beschränken. Im Gegenteil: Eines Tages kommt es ihm in den Sinn, Regen zu fotografieren, und das möglichst perfekt. Er besorgt sich im Baumarkt einen Wasserdiffuser, bucht ein Model und spielt so lange den Regenmacher, bis die Bilder seinen Vorstellungen entsprechen. Eine Woche später, während eines Kurztrips nach New York, fotografiert er Hochhäuser. Dann montiert er beides am Rechner. Das Ergebnis ist bekannt: Mit einem der Bilder aus dem Square-Rain getauften Projekt gewinnt Bischoff den Canon ProFashional Photo Award 2005. Die Siegertrophäe, die Canon EOS-1Ds Mark II, ist heute Bischoffs Universalwerkzeug. Mit Canon Systemen hatte er bereits seit vielen Jahren gearbeitet, zuletzt mit der Canon EOS-1D Mark II wenn auch nicht ausschließlich. »Bei manchen Motiven reichte die Auflösung einfach noch nicht, dann habe ich im digitalen Mittelformat gearbeitet. Mit den 16,7 Mio. Pixeln der 1Ds Mark II ist das aber kein Thema mehr. Besonders zusammen mit dem 85er 1:1,2 begeistert mich die Kamera immer wieder eine Super-Kombi, die extrem brillante Ergebnisse liefert.« Bevor wir das Studio verlassen, fragen wir noch nach seinen Zielen für die Zukunft. »Möglichst viel Freiheit ich will mein fotografisches "Spielzimmer" weiter vergrößern«, antwortet er grinsend. Als er sich damals gegen eine Karriere in der Wirtschaft entschied, habe er sich geschworen, »dass ich mich richtig austobe«. Wir wünschen ihm viel Spaß dabei und uns mehr seiner perfekt-verspielten Bilder. |
ADRIAN BISCHOFF |
Alter 47 Arbeitsort Frankfurt Besondere Kennzeichen ausgeprägter Spieltrieb, »Hausmeister-Gen« Spezialgebiete Lifestyle, People-, Business-, Unterwasser-, Nacht- und Illuminationsfotografie, Composings Auszeichnungen 1. Platz Kamera-Louis-Boutan-Award für UW-Fotografie, 1. Platz Canon ProFashional Award 2005 Fotografische Methode Trial & Error Kontakt www.adrianbischoff.de Kundenreferenzen (Auswahl) ABN Amro, Allessa, Altana, Ameropa, BASF, BMW, Bosch, Canton, Citi Bank, DER, DID, Deutsche Bank, Deutsche Post, DyStar, Elten, Essec Paris, Ford, Henninger, Hewlet Packard, LEE, Levis, Lufthansa, MEWA, Peugeot, P&S Zigarette, Redken, Rowenta, Samsung, Tupperware, Wella Kamera Canon EOS-1Ds Mark II Objektive EF 85 mm 1:1,2L USM, EF 24 mm 1:2,8, EF 50 mm 1:1,4 USM, EF 1740 mm 1:4L USM, EF 28300 mm 1:3,55,6L IS USM |
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